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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 7³
  2018/2019

Qualifikationsturnier Niedernhausen

27. bis 29. Oktober 2017

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · Gruppe G

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · Gruppe G

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H+ Hotel Niedernhausen

Ralf Mulde berichtet über das DSAM-Turnier in Niedernhausen

Niedernhauser! Die Spiele sind eröffnet!

In Niedernhausen wurde heute am 27. Oktober 2017 um Punkt 10:00 Uhr die neue DSAM-Saison eröffnet! 284 sehr nette, bis an die Zähne mit Kaffee, Plüschtieren (je nach Alter), Fantasie und Eifer "bewaffnete" Spielerinnen und Spieler zog es an die Bretter, darunter erfreuliche 26 Damen bzw. Mädchen. Aus irgendeinem Grund rechnet man das immer in Prozente um: Es sind 9,15% exclusive Turnierpersonal.

"Hier stehe ich, ich könnte auch anders!" So hätte der Repräsentant der Stadt Niedernhausen, Oberstaatsanwalt a.D. Frieder Rothenberger, sein freundliches Grußwort beginnen können, zumal der Reformationstag nahe ist. Tat er aber nicht. Er ging kurz auf die Schachvereine in nächster Nähe ein und bedauerte, dass Niedernhausen es bisher noch zu keinem eigenen Club gebracht habe. Neben René Descartes und Fritze Schiller führte er auch den unvergessenen Präsidenten des Deutschen Sportbundes an:

Redner bei der Eröffnung der DSAM in Niedernhausen

"Heute verstehen wir das Schachspiel als Sport, als einen Sport, der den ganzen Menschen fordert", wie es Willi Weyer schon 1977 sagte. Noch klarer formulierte es Herbert Zapf, ehemals Lehrwart im Verband NRW, den Schachfreund Rothenberger zitierte: Von "fast unschätzbarem Wert ist das durch ständiges Anwenden und Üben sich herausbildende Phänomen der Entwicklung eigener Problemlösestrategien." Der Oberstaatsanwalt a.D. hatte dabei ganz praktisch die Belange der Stadt Niedernhausen im Blick: "Gelingt es zugleich, durch das Schach indirekt Lösungen für Konflikte zu finden, werden wir durch die Förderung des Schachs vielleicht einen Teil zu einer Gesellschaft mit weniger Gewalt als jetzt beigetragen haben. "

Hier, knapp vor Wiesbaden und damit eben auch knapp vor Mainz begann heuer ein  sensationelles, neues Kapitel der DSAM - denn wer hätte in all den Jahren je zuvor von einer G-Gruppe gehört? Und jeder weiß: Das G steht in der DSAM für Giganten, Genies, Genuss-Spieler.

Eine zweite Neuerung war die Umstellung von 6³ auf 7³, was nicht weniger heißt, als dass es nun erstmals sieben Vorturniere mit sieben Plätzen gibt, deren Erreichen für das FINALE qualifizieren. Dass auch die sieben Zwerge etwas damit zu tun hätten, erwies sich als Irrtum, aber die mit der sieben im Zusammenhang stehende dritte Neuerung überraschte die bisher schon oft bei der DSAM aktiven Spieler: Die "Startmelodie" hat gewechselt! Das bisherige "One (K)Night in Bangkok" aus dem Stück "Chess" wurde gegen die voll orchestrierte Titelmelodie eines der großen Western-Klassiker ausgetauscht: "Die Glorreichen Sieben" (John Sturges 1960) ritten zur Musik von Elmar Bernstein in den Turniersaal ein. (Dass ich das noch erleben darf ... -rm-) Sichtlich beeindruckt waren der quasi neben Yul Brynner im Sattel sitzende Hoteldirektor Christian Hoebbel und der Repräsentant des gastgebenden Landesverbandes Hessen, dessen Präsident Thorsten Ostermeier, die einige sehr nette, kurze Worte an die Spieler richteten, ebenso wie Hugo Schulz, der wieder nicht "nur" als Schiedsrichter, sondern auch durch sein Amt des Referenten für Breitenschach als Repräsentant des Deutschen Schachbundes DSB agierte.

Die vierte Neuerung ist ein Meilenstein der DSAM-Turniergeschichte: Ein Spieler mit, sagen wir, Elo 1967 und DWZ 1723 darf sich - aber muss nicht - in der Rating-Gruppe 1601-1750 (D) anmelden. Bisher galt nämlich stets die höhere Zahl als Maßstab, der Spieler hätte also zwingend in der Gruppe B Platz nehmen müssen, auch wenn der zehnmal beteuert, dass es sich beim Zustandekommen dieser Elo um einen leider nur einmaligen Ausrutscher längst vergangener goldener Jahre handelte. Man sieht, es tut sich Revolutionäres.

Eine fünfte Umstellung ist weniger revolutionär, sondern schlicht überflüssig: In der Nacht von Sonnabend auf Sonntag leiden alle mal wieder unter der Zeitumstellung von Sommerzeit auf Normalzeit – die Uhr wird um eine Stunde zurückgestellt.

Dimitri Goloborodko (SG Turm Idstein)

Und nun hoffen wir, dass alle Spieler trotz dieser Flut von Neuerungen kühlen Kopf und ruhiges Blut behalten. Der in der Gruppe A an 20 gesetzte Lokalmatador Dimitri Goloborodko, (2078 DWZ, 2121 Elo, SG Turm Idstein (das ist nur rund 15 km entfernt) war bereits gesuchter Interview-Partner der Idsteiner Weltpresse. An Eins der A-Gruppe (wohlgemerkt: Der Setzliste ... gespielt werden muss ja noch) rangiert aus Biberach FM Holger Namyslo (Elo 2258). Die beste Dame der Setzliste spielt in Gruppe B, nämlich Dr. Tatiana Rubina (Elo 2022) vom SK Mannheim 1946. Und die könnten zumindest am Frühstücksbuffet auf den ältesten Turnierteilnehmer stoßen, nämlich den 1934 geborenen  Dr. Lutz Eckert , SC Bad Soden,der in der E-Gruppe seine Kreise zieht. Der jüngste Teilnehmer aus dem sehr nahe gelegenen Kelsterbach hielt sich noch im Hintergrund: Chain Conrad Hofmann, 2009 geboren, ging heute erst noch zur Schule. Die Freuden der Pflicht ...

Wir wünschen allen viel Spaß und viel Erfolg, einschließlich des zeitlich nahezu parallel und in unserer Nähe tagenden DSB-Hauptausschusses, der die Anwesenheit einiger gewohnter Mitstreiter des DSAM-Teams erfordert.

Isabella, aber nicht von Kastilien

"Wir saßen damals am Fenster und beobachteten die süße Zweijährige, wie sie hier draußen auf dem Parkplatz mit Feuereifer ihr Spielzeug in die Mauselöcher eingrub", erzählte Ingrid Schulz. Heute ist die damals zweijährige Isabella neun Jahre jung, ist Teilnehmerin des Turniers und gräbt ihr Spielzeug wahlweise auf der Grundlinie oder im Zentrum ein. In der laaaangen Partie der zweiten Runde mit dem erfahrenen, 1965 geborenen Arthur Osiewatsch, Ford SF Köln, hatte sie Weiß und bewies trotz ihrer Jugend in, naja, unklarer Lage beachtliche Turnierhärte.

Zunächst einmal kam die Kleine mit den sicher ungewohnten Bedingungen im "ansagenden Spiel" in der Partie mit ihrem sehbehinderten Schachpartner gut zurecht und wirkte dabei so unbekümmert wie in alten Mauselöcher-Tagen. Ihre Stellung wirkte allerdings auch ein wenig unbekümmert; man muss sich eben rechtzeitig um Plan & Entwicklung kümmern. Nun aber lehnte die junge Dame nonchalent ein doppeltes Remis-Angebot ab (Frage an den Hauptschiedsrichter "Sir Egmont" Pönisch: Darf man das ...?) und trug ihn davon, den ganzen Punkt. Hättest Du das mit 9 Jahren auch gekonnt?

Schon über ihren Erfolg im "Formel1-Turnier" 2015/16 berichtete mein Kollege Ralf Linnemann aus ihrem Club, dem Turm St.Augustin, auf witzige Weise: "Isabella Meinecke, unser jüngstes Vereinsmitglied, hatte in dieser Serie ihr schachliches Debut gegeben und gleich mächtig aufgetrumpft. Nur im letzten Turnier in Lohmar kam etwas Sand ins Getriebe, aber es reichte für einen ganz hervorragenden zweiten Platz, ein winziges Pünktchen vor Simon Hartmann aus Niederkassel. Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Leistung, Isabella!" Das Bild dazu muss man sich anschauen:

http://sv-turm-sankt-augustin.de/aktuelles/formel-1-endstand.html

Schachhändler Sotirios Stavridis (SchachDepot)

Wer von unseren DSAM-Spielern nun auch gerade nach neuem Spielzeug Ausschau hält, wird direkt vor dem Turniersaal gewiss fündig, denn der Schachhändler Sotirios Stavridis vom Stuttgarter "Schachdepot" http://www.schachdepot.de/ hat seine Schätze ausgepackt und bietet sie zum Verkauf an: Bücher, CDs, DVDs, bestimmt auch Partieformulare, Kulis und weitere praktische Devotionalien. Und mit das Beste ist: Wer etwas nicht hat oder nicht weiß, sich unsicher ist, der kann ihn einfach fragen. Obwohl er Schwabe ist, wird man ihn verstehen, versucht es mal!

 

 

Und jene Firma, ach was: Jener Weltkonzern, der einen Teil des Stavridis-Sortiments produziert, ist auch wieder da: Die Firma ChessBase. "Der Fischer", gemeint ist Martin Fischer, inszeniert wieder ein tolles Rätselspiel, gekrönt von mindestens ebenso tollen Gewinnen aus dem ChessBase-Sortiment, da gibt's nur eins: Mitmachen!

Über unseren dritten, größten Sponsor wird gesondert zu berichten sein. Ich sage erstmal nur: H.

Halbzeit!

Brille putzen, aufrichten und einen traditionellen Blick auf die Tabelle nach der dritten Runde geworfen! Früher hat man noch keine vernünftige Grundlage, später könnte es eben schon zu spät sein (an dieser Stelle taucht oft ein Gorbatschow-Zitat auf), also: Los geht's!

In Gruppe A jubeln die (weiblichen) Schachfans einem Führungs-Quartett zu - für diejenigen, die in Bremen zur Schule gingen: Das sind dann vier. Und diese mit einem dünnen halben Punkt Vorsprung führenden FabFour sind Holger Namyslo, Claus Pitschka, Dimitri Goloborodko und Andreas Schulze! Je 2,5 aus drei lassen sie momentan mit der Nasenspitze so ein bisschen aus der Gruppenfläche herausragen. Ein Ergebnis der Kategorie "das hätte ich nicht gedacht!" trug dazu bei: Der ganz aus Garching herbei geeilte FM Claus Pitschka besiegte den zwar erst 12jährigen, aber doch WM-gestählten Richard Bethke. Das ist erlaubt, im Schach darf man auch mal kleine Kinder schlagen - aber es wird immer schwieriger.

Stefan Calvi

Die Gruppe B hat - Weltpresse aufgehorcht! - einen Frangfudder, also Frankfurter, allein an oberster Stelle! Wenn's nach Stefan Calvi mit seinen drei aus drei ginge, könnte das Turnier jetzt wohl enden - aber vielleicht spielt er dafür einfach zu gerne Schach. Sieben (hatten wir nicht schon einmal irgendwo über diese für die DSAM anscheinend mystische Ziffer gesprochen?) Spieler geben ihren Springern die Sporen, um den halben Punkt Rückstand auf Stefan "grüne Soß" Calvi aufzuholen und die dahinter Rangierenden ja sowieso.

Die geheime Favoritin (im Schach!) des ahnungslosen Autors, Dr. Tatiana Rubina, gewährte ihren Schachpartnern nach ihrem Erstrunden-Sieg zwei Remisen und befindet sich nun eben mit 2,0 Punkten, aber keineswegs chancenlos für einen der vorderen Ränge auf Platz 22. Das mit dem "nicht chancenlos" gilt allerdings noch ebenso für fast alle anderen Teilnehmer.

In der zu dieser Jahreszeit besonders angesagten Vitamin-C-Gruppe hat der Frankfurter Vlad Modric bisher alles unter Kontrolle: 100%, besser hätte das der Kramnik auch nicht gekonnt. Völlig aussichtslos, mit bereits einem halben Punkt hintendran, liegt zwei Runden vor Abpfiff ein halbes Dutzend Schachtiger hinter ihm. Werdet Ihr das schier unmöglich Scheinende wahr machen? Tatsächlich: Es gelang Thomas Mager in der dritten Runde, den rating-gewaltigen Arno Bieger zu besiegen; der DSAM-Cup hat eben seine eigenen Gesetze - und Gesetzten.

Frank Erdmann

In der Gruppe D, das ist die arithmetische Mitte des Turniers, liegen drei "Mr. Wonderful" an der Spitze: Frank Erdmann, Kevin Haack und Werner Krischak. Die sind da aber keineswegs einsam, das ist hier im Turnier ja ohnehin niemand. Die Verfolger sind zu fünft und damit zahlenmäßig in der Übermacht. Aber mit vielen kommt man bekanntlich langsamer voran als mit wenigen. Warten wir ab, was Runde 4 bringt!

Victoria Wagner führt mit drei aus drei die Gruppe E an und abgesehen von einem "hab' ich's Euch nicht schon am Anfang gesagt!" des Autors ist das erstaunlich, denn die 2004 geborene, also noch sehr junge Erfurterin ging mit einem guten 1500er Elo/DWZ-Rating ins Rennen, aber der 1950 geborene Rainer Falge aus Solingen spielt in der 1700er Kategorie. Und dann sind da auch Heinz-Hermann Reese, Anke Schönfeld und Thilo Weinfeld, um nur mal die aufzuzählen, die ebenfalls mit pfundigen 2,5 aus drei in der Tabelle stehen.

Nelly Adelmeyer

In Gruppe F zeigte bisher Nelly Adelmeyer aus Halle / Saale. wo der berühmte Bartel den Most holt (vielleicht mag sie aber gar keinen?), denn mit drei aus drei an der Tabellenspitze, das ist schon ein dolles Ding. In ihren Kreisen der Klassespieler gibt man die Spielstärke gewöhnlich nur noch in Elo an; die zehnjährige Nelly hat 1409. Mit Peter Grotian und Wilfried Arndt sind aber zwei dieser irgendwie immer lästigen Erwachsenen dicht an ihr dran.

Nanu? Früher ging's hier doch nicht mehr weiter? Aha - Gruppe G! Zwei Jungs ganz vorne mit drei aus drei, nämlich Frank Stolzenwald und Dieter Ruppel, dahinter zwei weitere, nämlich Rainer Knöchel und Aleksandr Markosyan, alles eng und so unübersichtlich wie ein dicht gestellter Parkplatz im Nebel ("Schatz, erinnerst Du Dich zumindest noch an die Farbe...?). Voraussagen über den Ausgang erfolgen nach dem Turnier. 

Zwei die es schaffen könnten - wie viele andere auch

Viele Spieler in den oberen Gruppen spielen wirklich tolles Schach an diesem Orkan-Wochenende. Für zwei unter ihnen interessierten wir uns besonders: Robert Siemes und Dimitri Goloborodko. Beide führten in der Schlussrunde neben anderen ihr Turnier an. 

Dimitri Goloborodko, Elo 2121 (Max.:2157), DWZ 2078, geb.1974, Turm Idstein

Robert Siemes, Elo 2014 (Max.:2165), DWZ 1918, geb.1967, Ratinger SK

In der B-Gruppe spielte Robert Siemes die Schlusspartie mit Weiß gegen Matthias Niesel. Beide hatten 3,5 Punkte, ebenso allerdings wie der an Brett 2 aktive Tobias Röhr (Elbe Aufbau Magdeburg). Zwar hatten die drei nur einen halben Vorsprung vor dem weiteren Feld, aber man dachte sich doch, dass sich hier Entscheidendes tun könnte. In der A-Gruppe hatte der Idsteiner Dimitri Goloborodko an Brett 2 Schwarz gegen Andreas Schulze. Beide hatten 3,0 Pkt., wie in dieser Gruppe sonst nur Claus Pitschka und Holger Namyslo, die an Brett 1 spielten. In beiden Turniergruppen also stand es "Spitz auf Knopf"! Während Deutschland langsam aufatmen durfte, weil der Orkan "Herwart" weniger wirbelte als es befürchtet wurde, ging's hier auf den Brettern erst richtig los.

Robert Siemes spielt erfreulich viel. Da reiht sich Bezirksklasse an Solinger Karnevals-Open, Winterspecial an Dortmunder Schachtage. Letzteres sticht auch gleich heraus, denn in diesem, "Sparkassen Open" genannten Turnier knipste er in der B-Gruppe schöne sechs aus neun. Das reicht in aller Regel nicht für einen Platz auf dem Podest (falls vorhanden), aber es ist Ausweis gediegener Spielstärke. In Ratingen gibt es das "Siemes Schuhcenter" mit mehreren Filialen; so weit unser Schachfreund damit zu tun haben sollte, wollen die nächsten Gummistiefel für den Nikolaus hier erstanden sein! Sein Verein besticht zunächst mal durch eine hervorragende Darstellung der Team-Ergebnisse der laufenden Saison, die mit 7 Mannschaften bestritten wird: http://www.rsk1950.de/mannschaften/index.html#774061a8100024101

Robert Siemes Platz in Ratingen.5 an immerhin Brett 1 könnte sich bei anhaltend starken Leistungen in eine höhere Liga verschieben, aber wer weiß, was die Zukunft bringt?

Dimitri Goloborodko erkämpfte sich zuletzt 4,5 aus 7 im Wiesbadener Schloßpark-Open (spielen die da unter freiem Himmel? Romantisch!). Der "Bringer" war aber die Hessische Einzel: Fünf aus sieben in der A-Gruppe! Noch Fragen, Herr Dr. Lasker? Spielte er vor einigen Jahren noch eine Menge Turniere, ebbte das in letzter Zeit doch ein wenig ab - manchmal stellt das Leben einfach Herausforderungen, denen man nicht nur nebenher begegnen darf. Umso mehr freuen wir uns, Dimitri hier im Saal zu sehen. Weil Idstein der nächst gelegene Schachverein ist, agiert er hier auch als "Lokalmatador",  was doch irgendwie nach "Lokalrunde" klingt, oder?

Die Sieger stehen fest! Die Züge auch.

Gut besuchte Siegerehrung der DSAM in Niedernhausen

Um 12:28 Uhr, relativ spät für die Verhältnisse der DSAM, schallte es durch den Raum: "Die erste Gruppe ist fertig!" Es war die Gentlemen-Gruppe G.

Als erster Sieger der G-Gruppe in der Geschichte der DSAM (die Gruppe gab es ja bisher noch nicht) schreiben wir Frank Stolzenwald, Hamburger SK, in die Turnier-Annalen ein. 4,5 Pkt. aus fünf Runden sind eine stolze Bilanz. Drei Spieler mit 4,0 Pkt. folgten ihm, hier in der Abstufung der Feinwertung: Dieter Ruppel vom SC Bad Soden, Rainer Knöchel, Schach-Club Wittstock und als Vierter Andrè Martin, SK Nördlingen-Ries. Auf Platz fünf und sechs beendeten Ferdinand Schneider, SF Vonkeln und Jakob Conrad, SG Turm Idstein mit je 3,5 Pkt. das Turnier - und als Bester mit 3,0 Zählern und damit dem für das Finale qualifizierenden siebten Rang wurde auffällig: Aleksandr Markosyan vom SK Nürnberg. Ebenso viele Punkte wie der Mann aus der Noris-Stadt erspielte die beste Dame dieser Turniergruppe, nämlich Marina Bertram, SF Bad Lausick.

Und dann ... gähn ... tat sich längere Zeit gar nichts ... Schlechteres kann dem Schreiber kaum passieren, vom stets möglichen Zusammenbruch der elektronischen Systeme abgesehen, denn dann müssen in wachsender Zeitnot mehrere Gruppen zugleich betextet werden. Dann aber doch! Um 13:06 Uhr lag das nächste "amtliche Endergebnis" vor, nämlich die Gruppe E. Weil das hier nicht in die Reihenfolge passt - auch das noch! - machen wir anders weiter:

Sieger Gruppe F: Nelly Adelmeyer

In Gruppe F spielte die noch sehr junge Nelly Adelmeyer von Roter Turm Halle (Saale) ein wirklich großartiges Turnier und triumphierte in dieser Gruppe mit 4,0 Punkten auf dem ersten Platz! Sechs Spieler drängelten sich auf den Feinwertungs-Rängen für jene mit 3,5 Punkten, nämlich als Zweiter bis Sechste: Peter Grotrian (Hamburger SK), Marc Dressler (Oberkochen), Wilfried Arndt (Taucha), Werner Nelles (Sondernheim), Gerhard Sema (Höheinöd) und als Siebte Margarethe Wagner vom Erfurter SK.

In besagter Gruppe E (fuhr der offenbar unsterbliche Bastei-Romanheld Jerry Cotton nicht immer einen rosa Jaguar "E-Type"?) beendeten vier Spieler ihr Turnier mit 4,0 Punkten. Sind wir jetzt bei "Vier hoch vier" statt Sieben hoch nochwas gelandet? Ganz besonders auffällig ist, dass sich wie schon Martina Bertram in der Nachbargruppe auch hier die Damen mit durchsetzten.

An zehn gesetzt, auf Eins gelandet: Thilo Wiedemann vom Flechtinger SV wurde mit 4,0 Punkten feingewerteter Erster der Gruppe E der DSAM Niedernhausen 2017! Gleichauf kam Victoria Wagner vom Erfurter SK über die Ziellinie. Danach musste das Zielfoto entscheiden, wer Platz 3 belegt. Zielfoto heißt bei uns würfeln. Nach einem Unentschieden in der ersten Würfelrunde konnte sich Rainer Falge von der SG Solingen knapp gegen Susanne Röhr, Potsdamer SV, durchsetzen. Beide haben 4,0 Pkt. Auf den weiteren finalqualifizierenden Rängen kamen diese Spieler mit je 3,5 Punkten ein:
Peter Linde, vereinslos!, Björn Sigurd Klowski, vereinslos!, aber als Angabe Frankfurt am Main und Klaus Schöler, TSG Mutterstadt.

Sieger Gruppe D: Kevin Haack

Die Gruppe D wirft in der End-Tabelle die Frage auf, wofür eigentlich Setzlisten gemacht werden. Sensationell gesiegt hat der an 45 Gesetzte (hinter diesem Tisch kommt in manchen Lokalen nur noch der Eingang zur Küche), Zweiter wurde ein an 24 Gesetzter und so ähnlich ging's weiter. Ihr wolltet also alles mal ein bisschen durcheinander bringen - man wird sich das merken...!

Kevin Haack, aus dem relativ nahe gelegenen Bad Soden krönte seinen Sensations-Erfolg sogar noch mit einem Diamant-Tupfer: Unübertreffbare 100%, nämlich fünf aus fünf, sammelte er auf seinem Spielerkonto. Besser geht's nicht. Das dachten sich auch die auf Platz 2 bis 7 angelandeten Wettkämpfer, die alle je einen ganzen Punkt Abstand zu Caissas Liebling hielten - vermutlich nicht ganz freiwillig. Mit je 4,0 Punkten, mitunter nur durch die zweite Feinwertung geschieden, "finishten" unsere Schachfreunde Frank Erdmann (Taucha, Zweiter), Frank Theißen (Borken, Dritter), Jean-Pierre Fuß (Turm St.Augustin, Vierter), Manfred Hannemann (SK Neustadt, Fünfter), Matthias Schwarz (SG Turm Idstein, Sechster - die Türmer räumten im Turnier ja richtig gut ab!) und Oliver Röhr (Aufbau Elbe Magdeburg). Der Ausdruck "enges Rennen" fand in Niedernhausen eine neue Entsprechung ... Beste Dame dieser Gruppe D - steht für Dame - war Bettina Baumann (Koblenz).

Die Gruppe C schien sichere Beute von Vladimir Modric (SC 1961 König Nied) zu werden, der dann auch mit schönen 4,0 Punkten Erster wurde, am Ende aber die Feinwertung bemühen musste. Am Ende freuten sich nämlich als Zweiter Robert Bethke, als Dritter Michael Kemper und als Vierter Alexander Stuhlmann über die gleiche Punktzahl. Wir kennen das: Der Herr Buchholz hat's entschieden.

Der Fünfte kam wie der Erste aus der Region: Dr. Dirk Schmalz, 3,5 Punkte, spielt für den SV Griesheim 1976. Mit gleicher Punktzahl wurde Felix Schlitzer, TuS Dotzheim, Sechster und ein Schachmaschinist aus Berlin wurde Siebter: Sven Aßmus ist bei SV Turbine Berlin aktiv. Beste Dame dieser schwierigen Turniergruppe wurde Astrid Fröhlich-Dill vom SV 1920 Hofheim.

Sieger Gruppe B: Matthias Niesel

Gruppe B könnte eine Visitenkarte für einen womöglich vereinssuchenden Spieler sein: Matthias Niesel, Verein: Deutschland, siegte mit 4,0 Punkten. Sein Vorsprung war wahrlich nicht groß, denn der Zweite Dr. Michael Cichy, BS Gliesmarode und der Dritte Robert Siemes, Ratinger SK erzielten ebenso wie er 4,0 Punkte. Das gilt aber ebenso für den Vierten Sven Malzahn, Dotzheim und den Fünften Jörg Weissmann aus dem irgendwie mystisch klingenden Höheinöd. Die auf Rang 6 und 7 folgenden Spieler erzielten je 3,5 Punkte: Der Frankfurter (SF 1921) Stefan Calvi und Dennis Schermer, der trotz Orkan von der Elbe (TV Fischbek Suederelbe) hierher kam. Beste Dame dieser Gruppe wurde Frau Doktor, nämlich die Mannheimerin Tatiana Rubina, die es erst gegen Ende ein bisschen abreißen lassen musste. Sie ist dennoch auch beste Dame des gesamten Turniers, denn in der A-Gruppe ... die dafür in Betracht kommenden Teilnehmerinnen waren nicht weg. Die waren nur gerade woanders.

Gruppe A! Die Diamant-Gruppe! Um 13:36 Uhr wurde die letzte Uhr gedrückt. Vier Spieler hatten 3,5 Punkte und waren damit sicher im Finale, aber wer hatte das Turnier gewonnen? Buchholz-Wertungen im Kopf auszurechnen ist bei dem heute sehr komplizierten Reglement der FIDE völlig aussichtslos. Also schnurrte der Computer und gab endlich diese Rangfolge preis:

1.) Holger Namyslo, TG Biberach
2.) Dimitri Goloborodko, SG Turm Idstein (Lokalmatador!)
3.) Andreas Schulze, TG Biberach
4.) Claus Pitschka, SC Garching
5.) Dr. Frank Hoffmeister, SVG Eppstein
6.) Sascha Mohaupt, SV Wermelskirchen
7.) Taylan Gülsen, SG Niederkassel

Zugleich meldeten die Medien, dass auf sehr vielen, sehr großen Bahnhöfen der Republik der Verkehr wegen der Orkanschäden eingestellt wurde. Mit "einstellen" kennt sich der Schachspieler zwar aus, aber wir wünschen doch allen, die sich dennoch heute noch auf den Weg machen, dass Ihr gut zu Hause ankommen werdet! Vielen Dank fürs Mitmachen.

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