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Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft 7³
  2018/2019

Das Finale in Leipzig

31. Mai bis 2. Juni 2018

Turnierinformationen:

Rangliste:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · Gruppe G · DPEM

Teilnehmer:

Gruppe A · Gruppe B · Gruppe C · Gruppe D · Gruppe E · Gruppe F · Gruppe G · DPEM

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Spielort:

H4 Hotel Leipzig

Zeitplan:

Mittwoch  30.05.2018  persönliche Registrierung  19:00 - 20:00 Uhr
Donnerstag  31.05.2018  persönliche Registrierung  bis 09:30 Uhr
  1. Runde ab 10:00 Uhr
  2. Runde ab 16:00 Uhr
 
Freitag 01.06.2018 3. Runde ab 10:00 Uhr
  4. Runde ab 16:00 Uhr
 
Samstag 02.06.2018 5. Runde ab 10:00 Uhr
  Siegerehrung ab 18:00 Uhr

Ralf Mulde berichtet über das DSAM-Turnier in Leipzig

Doppeltes Finale !

315 Spieler in der DSAM und 30 Pokalfighter im Zeichen des Dähne-) kamen im herrlichen H4-Hotel Leipzig zusammen, um das Ding, den Titel klar zu machen. Gerade für einen Pokal ist das eine etwas bizarr anmutende Kombattantenzahl, aber wer es glücklicherweise nicht vor der eigenen Haustür plätschern hört, muss nur Nachrichten schauen: Manchen Spielern war die Anreise einfach unmöglich. Unter die 315 der DSAM mischten sich 35 Damen, und diese 11% werden in den anstehenden 5 Runden auch kräftig mitmischen! Auch eine Live-Übertragung ist im Angebot:

https://www.dsam-cup.de/live/

Weil die vorderen Bretter live übertragen werden, wird der Schachliebhaber sich an der Spielführung der Rating-Favoriten des Turniers erfreuen können, die ja in Runde 1 und oft auch noch 2 an den vorderen Tischen zu finden sein werden. Schon so mancher rückte dann im Verlauf des Turniers eher in Richtung Tresen ... Gute hundert oder gar zweihundert Rating-Dingens liegt der an Eins gesetze IM Hagen Poetsch DWZ 2462, Elo 2507 vor der Turnier-Nummer 2, IM Michael Kopylov, DWZ 2366, Elo 2418. Wir tippen auf die Nummer 31 der Setzliste als Sieger! Zeitweise glaubte der Texter ganz fest daran, dass Frauen vom Pokalfinale ausgeschlossen worden seien, dann aber räumte Britta Leib aus Neumünster auf - mit diesem Irrglauben.

Eröffnung des DSAM-Finales in Leipzig.

Die äußerst ungewöhnliche Wetterlage mit viel zu hohen Temperaturen in einigen Teilen des Landes und katastrophalen Überschwemmungen, Hagel etc. besonders entlang des Rheins erzeugten im DSAM-Team große Besorgnis um unsere Schachfreunde in den betroffenen Regionen, aber auch um jene, die in den erfahrungsgemäß witterungsanfälligen Zügen saßen ("mit der Deutschen Bahn sicher ans Ziel..."). Aber einige kamen dann ja doch noch durch. Seltsamerweise gibt es nur eine einzige Frau im Feld der DSB-Pokalfighter, was dem Stifter des übrigens echten Silberpotts, dem Hamburger Emil Dähne (1902-68), gewiss nicht recht gewesen wäre. Der korrekte Hamburger war 1951-68 u.a. Präsident des Deutschen Schachbundes DSB und stiftete 1952 "den Pott" mit eigenem Geld.

Die sympathische Leiterin des (für die Schachspieler der Stadt zuständigen) Sportamts, Frau Kerstin Kirmes, repräsentierte in ihrem fachkundigen Grußwort das schöne, quirlige Leipzig und gab zu erkennen, dass Schach im Rathaus der Bücher-Weltstadt nicht nur im politischen Sinne der Winkelzüge eine Rolle spielt, sondern als Sport mit großer pädagogischer Wirkung für jede Altersstufe gesehen wird.

Der im DSB für die DSAM zuständige Referent für Breitenschach Hugo Schulz, zugleich als Schiedsrichter aktiv, zitierte kurz ein Geleitwort des Verbandes in Berlin und wünschte jedermann, jede Partie glanzvoll zu gewinnen. Uns fiel erst nach längerem Nachdenken auf: Geht ja gar nicht! Der jüngste Teilnehmer im Saal, Alexander Bräutigam aus Rendsburg, Jahrgang 2009, merkte es etwas schneller.

Thomas Wiedmann

Nach der dem Texter vorliegenden "Pokal-Liste" vom 1.Mai 2018 (Ratings von 15-Mai) nehmen folgende fünf Spieler oberhalb eines Elo-Ratings von 2300 am (von Thomas Wiedmann geleiteten) Finale des Dähne-Pokals teil:

Es sind also nur wenige "Dähnen" numerisch stärker als die DSAM-Finalisten (A). Die DSAMler werden vom Leipziger FM Hendrik Hoffmann (Elo 2281), gefolgt vom Hamburger FM Julian Grötzbach (2279) angeführt.

Das konnte Kerstin Kirmes als Repräsentantin der Stadt Leipzig nicht wissen. Die Leiterein des Sportamtes hat aber stets die Belange der Sportler im Blick: "Wir sehen, in Ihren Vereinen ist ständig etwas in Bewegung, so zum Beispiel die Bestrebungen der mit gleich zwei Teams in der Oberliga siegenden Schachgemeinschaft SG Leipzig. Der Club ist gerade bestrebt, ein eigenes Vereinshaus zu bauen, um dort bald neben Training und Übungs-Abenden spannende Bundesliga-Wettkämpfe auszutragen."

Sie unterstrich auch, dass die Stadt als soziales Gemeinwesen durchaus vom Schachsport profitiert: "Erfreulich ist, dass die Jüngsten lernen, dass so etwas auch gegenüber Erwachsenen funktioniert - jedenfalls ziemlich oft ... Soziales Verhalten wird von ihnen so ganz unmerklich eingeübt. Vereinzelt wird berichtet: Manchmal sprechen Schachspieler ja sogar miteinander! - Schach hat aber über den Aspekt Spaß, Spiel und Sport hinaus noch eine weitere Funktion. Es ist nämlich ein "edukatives Spiel".

Sogar Kinder im Vorschulalter können bereits im Kindergarten mit Schach ihr räumliches Vorstellungsvermögen verbessern, die Kombinatorik sowieso, bald tritt eine messbare Verbesserung der Konzentrations-Fähigkeit hinzu - mithin, Schach ist ein kleiner Hilfsmotor für das Gehirn - und das gilt eigentlich für jedes Lebensalter." Der bereits am Final-Brett sitzende, ehemalige Breitenschach-Chef Ralf Schreiber wird sich sehr an das erinnert gefühlt haben, was er tags zuvor in einem einstündigen Treffen mit der NRW-Ministerin Tanja Milz in Sachen "Schach für Kids" erläutert hatte.

Und damit war der eigentliche Sinn dieser Grußworte erfüllt, dass nämlich a. die (Geld gebende ...) Behörde sich mit den Belangen der Schachclubs beschäftigt, dass b. die Clubs jemanden vor sich sehen, den oder die sie ansprechen könnten, dass c. damit auch dem Sinn der gesamten Veranstaltung des DSB, nämlich den Vereinen zu dienen und zu helfen, entsprochen wurde - während die Schiedsrichter in ihren schwarzen Anzügen im Hintergrund d. die Paarungen der ersten Runde ermittelten.

Sie alle sind in einer beneidenswerten Situation, wenn ich mich so umschaue, sehe ich : So sehen Sieger aus! Sie alle haben in einem der 7 Vorturniere schon mal auf der Bühne gestanden und sich vorher in 5 Runden gegen starke Gegner erfolgreich durchgesetzt. Das müssen Sie nun nur noch wiederholen, und Sie haben die letzte Stufe geschafft.Der Breitenschachreferent des Deutschen Schachbundes DSB Hugo Schulz überbrachte dem Turnier die Grüße des DSB und hinterließ dem Chronisten den Wortlaut: "Liebe Schachfreunde, als Breitenschachreferent überbringe ich gern die Grüße des Präsidiums des Deutschen Schachbundes zu diesem beliebten Turnier. Bei den sieben Vorturnieren habe ich vielen von Ihnen bei der Siegerehrung die Hand gedrückt und ich freue mich, Sie hier beim Finale wieder zu sehen.

Nun brauchen Sie in den kommenden Tagen nur noch ein wenig Glück, und schon können Sie Ihr Ziel erreichen, um Deutscher Schach Amateurmeister 2018 zu werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg. Ihrem Gegner wünsche ich das auch - als Schiedsrichter muss ich ja neutral bleiben.

Behalten Sie die Nerven und vertrauen sie auf ihre Spielstärke.

Wie in anderen Kampfsportarten gilt es auch beim Schach zu beachten:Wenn Ihr Gegner zurückweicht,dann sollten Sie nicht allzu siegesgewiss sein- er könnte ja immerhin Anlauf nehmen. "

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Weiter. Immer weiter ... (Olli Kahn)

Was ist denn nun los am Ende des ersten Tages? In der ersten Pokalrunde haben sich schon zwei in das Nebenturnier verabschiedet, die der Texter sich im Finale oder unter den letzten Vieren hätte vorstellen können, aber Hannes Meyner und Dirk Paulsen müssen nun - mindestens - bis zum nächsten Jahr warten, bevor der Pokalsieg realisiert werden kann. Das Schicksal oder irgendeine Pokalfee hat sie nun in der Prost... Trostrunde zusammen ans Brett geführt.

Die eindeutige Knallerpaarung dieser Runde, einfach weil es sich um die bekanntesten Spieler des Turniers handelt, nämlich Hartmut Metz - Hagen Poetsch scheint leider eine "Geheimpartie" zu werden, falls das DSAM-Team sie nicht doch noch an einen Tisch mit Live-Übertragung verlegen sollte.

Das schwerste Los hat der Zwodrei-IM Cliff Wichmann mit Schwarz gegen die mit DWZ 1824 deutlich untermotorisierte Britta Leib. Wenn er siegen sollte, zuckt jedermann mit den Achseln und geht weiter.  Bei jedem anderen Ergebnis wird Meister Wichmann sich daheim die üblichen Sprüche anhören dürfen. Es gibt dort ja immer welche, die trotzdem noch mit einem sprechen. Und deshalb kann Britta Leib in dieser Partie nur gewinnen - und deshalb mag die Meute den Pokal!

Carmen Voicu-Jagodzinsky

Blicken wir weg vom Silberblinker des Pokals hin zu den sieben Gold-Gruppen der Amateure. (Als ob die anderen Profis wären...) In der A-Gruppe sieht die Schach- und Fachwelt eine Großmeisterin beim Spaß am Brett! Gemeint ist das erste Brett ... Zugegeben, "nur" eine WGM, aber immerhin ist WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky die Landestrainerin von ganz Nordschach-Westfalen - einschließlich Männer. Ob allerdings der klar favorisierte Hendrik Hoffmann mit Weiß gegen sie etwas anbrennen lassen wird, werden wir sehen. Die Regenschauer rücken näher, vielleicht wäre das mit dem Anbrennen gar nicht so schlimm. Behaltet den immer so ruhigen Hartmut Zieher im Auge! Ganz plötzlich steht er oft weit vorne. Und man muss wieder nachschlagen, wie das denn geschehen konnte. - Der erste Deutsche Amateurmeister, den der DSB je erlebte (so alt siehst Du doch noch gar nicht aus?), ist der Blonde mit dem Tiger, Olaf Steffens, den Beruf und Leidenschaft irgendwann vom Ostsee-Strand nach Bremen zog, wo er nun seit mehreren Jahrhunderten Werders Oberliga-Team zu noch mehr Punkten verhilft.

Sarah Hund war zuletzt auf der anderen Seite des Brettes gleichsam als Schiedsrichter-Referendarin im DSAM-Einsatz (Prüfung natürlich bestanden - Glückwunsch!), ist jetzt aber nicht mehr Mitglied des Orga-Teams (für immer???), sondern die Freiburgerin ist wieder im Brettkampf als Sportlerin unterwegs. In Runde 2 der knallharten B-Gruppe war Mathias Niesel nicht zu bezwingen und sackte den vollen Punkt ein, gleich zu Beginn aber erreichte Sarah mit Schwarz gegen den starken Sven Malzahn ein Remis. Diese Übersicht ließe sich bis Gruppe G so oder ähnlich weiterführen ... ach was, warten wir's doch einfach ab. In Rund 3 und hinterm Horizont geht's weiter.

Gens una sumus. Die deutsche Schachbewegung an den DSAM-Brettern

Manchmal, so scheint's, gerät bei allem Eifer für die gerade aktuelle Sache ein wenig aus dem Blick, dass es so etwas wie eine Deutsche Schachbewegung geben muss, die nämlich landauf, landab in den Ligen (meistens zu absurden Tageszeiten) und in Turnieren wie der DSAM eben völlig ungeachtet des Alters, des Einkommens, des Geschlechts, der Haarfarbe oder des Berufes einfach miteinander Schach spielen, die im Miteinander Spaß haben und sich am geteilten intellektuellen Kampfvergnügen erfreuen.

Im Finale der DSAM müssten doch eigentlich die "amtierenden" besten deutschen Jugendlichen, Kinder, aber eben auch Senioren vertreten sein? Schauen wir nach! Zugleich nutzen wir die willkommene Gelegenheit zur herzlichen Gratulation zum frisch errungenen Titel!

 

Aktueller Deutscher Meister der ganz kleinen Kinder ist:

Lara Schulze - Deutsche Meisterin U16w

U16w: Lara Schulze Wer der deutschen Jugend- und Damenmeisterin beim Spiel zuschauen möchte, baue sich in der A-Gruppe vor ihrem jeweiligen Brett auf - Fan-Flagge des SK Lehrte und Tröte für gute Züge nicht vergessen! Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern unterhalb der Bretter ist verboten! Wir hingegen verneigen uns still zum Glückwunsch.

Und eine Neuigkeit einer jungen, alten Freundin des Turniers fand sich ein:

"... Länderspiel-Debütanten Thore Perske und Annmarie Mütsch beim Mitropa-Cup in Italien. Mütsch, die erst vor wenigen Tagen ihren 16. Geburtstag feierte, machte sich mit einem Sieg gegen die Kroatin Patricija Vujnovic das perfekte Geschenk ..." DSB-Home 31-Mai-2018

Und

"... kürte Jefim Rotstein zum Deutschen Seniorenmeister und Nestorenmeister 2017. Brigitte Burchardt gewann den Titel bei den Damen."

https://www.schachbund.de/senioren-news/drei-neue-deutsche-meister-zweimal-jefim-rotstein-und-einmal-brigitte-burchardt.html

Die feiern noch ihren Titel und sind schon deshalb nicht "DSAM-finalisiert", weil sie an keiner Qualifikation teilnahmen. Aber vielleicht sind sie schon auf dem Weg.

Geburtstag!

Wir im DSAM-Team finden es immer toll, wenn Spieler dabei sind, die ihren doch ganz peersönlichen Ehrentag, den Geburtstag, in der Mitte des Turniers verbringen. Das ist in den wenigsten Fällen die Flucht vor drohenden Heimsuchungen der lieben Verwandtschaft oder vieler Bekannter, sondern es ist ein ehrlicher Ausdruck des Wunsches, seine liebste Freizeit-Beschäftigung im Rahmen eines solchen Hotels inmitten bekannter und unbekannter Schachfreunde zu verbringen. Was für ein nettes Zeichen zugunsten der DSAM!

Johannes Thormeier vom SC Wolfsburg

war so großzügig, seinen Ehrentag mit uns zusammen zu begehen. Unsere Schiedsrichter wurden jahrelang darin ausgebildet, mit diesen hellen Momenten des Schachsports angemessen umzugehen und kein anderer kann das besser als Egmont Pönisch. - Schachfreund Thormeier ist es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, denn er ist Pastor der Lukasgemeinde in Wolfsburg-Willingen und dort neben vielen anderen Tätigkeiten barmherzig mit der Hilfe für Flüchtlinge befasst.

http://www.kirche-wolfsburg-wittingen.de/wir_fuer_sie/gemeinden/wolfsburg_mitte_west_lukas

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, lieber Schachfreund!

Im Saal - Der frühe Styx

"Entsprechend der Sage stellt der Fluss Styx die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und dem Totenreich Hades dar" [Wiki] so wie eben das Frühstück die Grenze zwischen unschuldigem Schlaf und dem Turniersaal als Totenreich eingestellter Figuren gesehen werden kann. Der Texter durfte nun, früh-styx-gestärkt, einen ahnungslosen Blick über die Bretter riskieren. Wie? Immer noch alles schwarz-weiß ...? Traurig.

In dieser Runde 3 hatte sich natürlich noch niemand vom Feld abgesetzt. Das konnte sich nach der Runde bald ändern. Aber am ersten Brett der C-Gruppe, nämlich in der Schwarz-Partie von Falk Zschiesing, da sah es interessant aus! In der Begegnung mit Jürgen Pölig setzte Schwarz sozusagen urplötzlich im zehnten Zug mit -g5 fort. Auf diese Idee waren vor ihm schon eine ganze Menge Spieler gekommen, aber man stutzt dann ja doch ... Nach 14 Zügen rochierte Schwarz lang, mit kurzen, präzisen Handbewegungen klack-klack-klack! und stand schon besser. Vielleicht hatte Weiß auf dem Weg hierhin irgendwo die beste Abbiegung verpasst oder ein Stopp!-Schild übersehen. Schon nach 20 Zügen ging Weiß matt.

Maxim Klein
Frank Stolzenwald

Allerorten waren ungefähr ein gutes Dutzend Züge geschehen, schon erstaunlich, dieses sehr ähnliche Tempo der Spieler beim Verfertigen ihrer Gedanken. Nur in der "Blitzpartie" der Gruppe G am Brett 1 ging es sehr viel schneller, vielleicht hatten Frank Stolzenwald und Maxim Klein noch einen Nachfolgetermin, jedenfalls standen zum bewussten Zeitpunkt schon 35 Züge auf dem Brett - mit der nicht ganz unwesentlichen Besonderheit, dass Schwarz matt gesetzt worden war: Überfallkommando in Leipzig-G! Aus einem Pseudo-Damengambit mit Marshalls Schnapsidee 2.-Nf6? entstand erst ein lauer weißer Wind, aus dem ein Orkan wurde.

Namen mehr als Schall und Rauch

H4 Hotel Leipzig

"Her name was Lola, she was a showgirl ... [Barry Manilow] Ja, schon gut, Barry, Du wusstest ihren Namen. Aber in Deutschland ist es manchmal anders:

"Heute back ich, Morgen brau ich,
Übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
Ach, wie gut ist, daß niemand weiß ..."
rumpelt es seit wer weiß wie lange durch die Märchenwelt.

Und so bietet auch der ungewöhnlich kurze Name unseres ungewöhnlich guten Hotels ungewöhnlich oft Gesprächsstoff, mit dem auch der Autor seine gelegentliche Mühe hat. Das "H" ist nicht so ähnlich wie die besonders in Asien oft vorkommenden kurzen Familien-Namen, etwa "So" (GM Wesley So) oder "Li" (GM Ruifeng Li) heißen, bisweilen auch das ultrakurze "L" - der GM, der so heißt, ist momentan nicht so recht zu finden.

Unser Hotel jedenfalls heißt einfach "H". Der Buchstabe kann um 90° gedreht werden, macht aber keiner, und ist dann noch immer ein "H". So wie bei dem "Z" für Zorro. Vermutlich steht "H" simpel für "Hotel"? Nein, Scherz beiseite, der Name leitet sich vom vormaligen Namen der Dachgesellschaft ab: "Hospitality Alliance AG Deutschland". Für Gebissträger ist das nach drei, vier Bier eine echte Hürde, daher wohl das Kürzel.

In der Wiki steht geschrieben: "Zu der familiengeführten Unternehmensgruppe mit 3.000 Mitarbeitern und 9.600 Zimmern gehören Hotels der eigenen Marken Hyperion, H4 Hotels, H2 Hotels und H+ Hotels. Mit konzerneigenen Servicegesellschaften werden die Hotels der H-Hotels Gruppe zentral gesteuert." https://de.wikipedia.org/wiki/H-Hotels Die Benennungen sind offenbar zugleich kennzeichnend für den Ausstattungs-Standard der betreffenden Paläste: https://www.h-hotels.com/de/hotelmarken

 

Totaler Durchblick bis C

Indernäschönäl. Wenn man Spieler-Namen nur zu schreiben braucht, ist man gelegentlich beneidet - von denen, die sie sozusagen vor laufender Kamera auszusprechen haben (ha!): Die Spielpaarung der Runde 4 an Brett 8 in der A-Grupppe bot da so ein paar kleine Hürden: Alex Dac-Vuong Nguyen - Carmen Voicu-Jagodzinsky. Beide hatten 2,0 Punkte aus drei Partien und waren ein bisschen exemplarisch für ganz viele Andere: Jetzt noch mal gewinnen und im letzten Umgang kann doch noch mal alles passieren. Wenn nicht, wird es eben ein unaufgeregter Sonnabend ...

Frederik Svane
Hendrik Hoffmann

FM Hendrik Hoffmann war mit 2,5 aus drei bisher den hohen Erwartungen der kreischenden Fans gerecht geworden und lag dennoch nicht in Führung. Das war in dieser A-Gruppe dem Spross einer bekannten Familie vorbehalten, der Appel fällt eben nicht weit vom Pflaumenbaum, nämlich dem 2004 geborenen Frederik Svane (aktuelle Elo 2234, DWZ 2197) Ja, der kennt "zufällig" diesen anderen, der so ähnlich heißt, ganz gut: GM Rasmus Svane ist Frederiks Bruder und dann sind da noch Frederiks  Zwillingsschwester Freja und vor allem noch die gleichfalls sehr netten Eltern Troels und Minna Svane an (Lübecker) Brettern zu treffen. Aber selbst wenn ihm sogar eine voll besetzte Lübeker Kogge helfen möchte: Mit 3,0 aus drei musste Frederik nun mit Schwarz seine Angelegenheiten gegen den starken, 1996 geborenen FM Julian Grötzbach (aktuelle Elo 2270, DWZ 2240) verteidigen, kein leichtes Ding. Die beiden dürften sich gut kennen, sind sie ja sozusagen hanseatische Schachprinzen - ein spannendes Düll ... äh ... Duell!

In der Gruppe B sah sich der fassungslose Fan mit gleich sieben Spielern an der Spitze konfrontiert, nämlich mit je 2,5 aus drei. Mal ehrlich: Hätte das Orga-Büro rund um Hauptschiedsrichter Egmont Pönisch das nicht klarer gestalten können? Ihr wollt Spannung? Der Texter will Übersicht! Also gut, Geduld ...

Dem entsprach der offenbar phänomenal gut aufgelegte Falk Zschiesing mit seinen 100% voll. Dreimal gespielt, dreimal gewonnen, gelegentlich in beeindruckendem Stil, dass hat schon was. Aber noch sind da zwei Runden zu bestehen. Und es mag fies, unfair und sowieso verboten "unneutral" sein: Wir finden es immer schön, wenn die Damen sich durchsetzen. In diesem Fall hat die aus Serbien kommende und nun in NRW trainierende WFM Jovana Miljkovic (dann doch wohl bei der Landestrainerin WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky?) mit 2,5 aus drei noch alle Chancen, das große Ziel zu erreichen. Diese Möglichkeiten haben aber Rudolf Lange mit gleicher Punktzahl und mindestens all jene mit zwei aus drei genauso.

Schlusskurve

Der 14jährige Lübecker FM Frederik Svane (aktuelle Elo 2234, DWZ 2197) hat es geschafft, mit 100%, sozusagen unbefleckt, in die letzte Runde der DSAM zu rauschen! Auf Marcel Quast und seinen schwarzen Steinen ruhen nun die Hoffnungen der übrigen Turnierteilnehmer (so schnell also landet man unter "ferner liefen ..."!) deren Chancen durch mindestens einen halben Punkt intakt zu halten! Und das sind die mit den 3,0 Zählern, auf die nun gezählt wird: Prof. Dr. Friedbert Pflüger, Rating-Favorit Hendrik Hoffmann (der ein, zwei Chancen liegen bzw. stehen ließ), Jugend-WM-Teilnehmer Richard Bethke und Martin Niering.

Zur Musik aus Studio B ... waaas, schon wieder unser Mann aus Buxtehude??? Seit Monaten in nicht nachlassender Champion-Form glänzt Ralf Schöngart in jedem Turnier, das ich betexten darf, eine geradezu unheimliche Serie! Direkt bevor der erste Zug der letzten Runde gespielt wird, führt der sympathische, ruhige Norddeutsche (so sind sie eben, die am Deich) die Gruppe mit 3,5 aus 4 und einem halben Punkt Vorsprung an. Ihn ein- bzw. zu überholen, wird natürlich schwierig, aber da sind gleich sechs Wettkämpfer mit nur einem halben Punkt Rückstand. Und die Verfolger sind am Ende bei der Feinwertung oft im Vorteil, weil der Führende ja nicht gegen sich selbst spielen darf und so von sich eben auch keine massenhaften Buchhölzer erhält.

Gruppe C sieht "oben" aus als sei die vorige Runde gar nicht gespielt worden. Die Reihung ist doch genauso wie vorher! Also los, alle noch mal zurück, neue Bälle bitte, Wiederholung mit Zeitlupe. Aber wie man auch im Internet unter https://www.dsam-cup.de/live/ verfolgen konnte, ging alles mit rechten Dingen zu, wenn auch mitunter mit einer Art Abenteuer-Schach. Aber an diesen Tagen herrscht eben hier und in ganz Deutschland eine unerträglich schwüle Hitze, plus dadurch hervorgerufene starke Unwetter, Überschwemmungen, Hagelstürme ...

Der Texter fühlt sich sehr an sein Jahr in Indien / Sri Lanka erinnert und erwartet nun gleich Fahrrad-Rikschas, Elefanten, und elegante Turbanträger an sich vorüber zu ziehen, weiß gekleidete, würdige Moguln in ihren Luxus-Karossen, die sich von der senkrecht fließenden Regenwand des Monsun abschirmen lassen, ... Trotz der erfreulich leistungsfähigen Klima-Anlagen in Hotels wie dem H4 mag das zur - gelegentlich offenkundigen - Ermüdung der Spieler beitragen; dass ein Zwodreier FM wie H.-E. Schwing im Pokal gegen den Kollegen FM Dirk Paulsen den möglichen "Remis-Rettungs-Hammer" 36.-Rxg3!! übersah, ist vor allem so zu erklären. Würde ich an seiner Stelle jedenfalls behaupten.

Nun aber endlich zur Gruppe D, die wir bisher sträflich vernachlässigten! Gaaanz allein führend, mit den ominösen 100% und einem halben Punkt Vorsprung vor der Meute ist Jean-Pierre Fuß aus St.Augustin bei Bonn. Der Mann vom Rhein hat Weiß gegen irgendeinen uralten Spieler, völlig unbekannt, der noch nie eine Figur in der Hand hielt ... Glaubt mir kein Wort! Kevin Haack kommt direkt von den elf (!!) Runden der Deutschen Jugendeinzel, wo er als Jahrgang 2006 in der U12 reüssierte. Der Junge kommt aus Bad Soden und wir wissen: Hans-Walter Schmitt und auch ein wenig ein gewisser Anand hinterließen ebenda tiefe Fußstapfen (die DSAM übrigens auch).  https://www.deutsche-schachjugend.de/2018/dem-u12/spieler/13/

In der Gruppe E ganz vorne: Johann Schwank. Moment - spielt nicht auch einer dieses Namens im Pokal? Sohn, Bruder, Vater? Nein. Dort ist (bzw. war...) Hans-Elmar Schwing am Zug. Der Diogenes-Hamburger Johann Schwank hat DWZ. Andere haben Rücken, der hier hat DWZ, nämlich 1557. Das reichte in dieser Gruppe für den Einsatzort 27. Und man sieht, wie viel diese auf Ergebnissen der Vergangenheit basierenden Ratings für die Zukunft sagen, nämlich oft nicht viel. Unser Hamburger hat 100%, einen halben vor Enno Striebeck (noch so ein schöner Name aus Norddeutschland!) und Baran Yüksel - das ist nun weniger norddeutsch konnotiert. Alle sind sie richtig tolle Sportsleute!

Und dann ist da die Gruppe F. Wer nun glaubt, hier sei es weniger interessant, der stelle sich doch mal neben das Brett von Margarethe Wagner ... nein, nicht ganz so dicht, bitte ... einen Schritt noch zurück ... ja, sooo! Margarethe ist 12 Jahre jung, hat hier im FINALE einer Deutschen Meisterschaft nach vier Runden bisher 100% auf die Platte gehauen als sei's so einfach wie Kartoffeln schnippeln und kommt praktisch direkt von der Deutschen Jugend-Einzel, wo sie in der Altersstufe U12 sensationelle 8,5 aus Kräfte zehrenden elf Runden erspielte. Die Blonde aus dem thüringischen Erfurt wurde damit nur deshalb nicht Deutsche Meisterin, weil Luisa Bashylina aus NRW sogar noch einen Punkt mehr schaffte. Viel spricht dafür, dass sie es aber hier in Leipzig meistern wird.

Und in der Gruppe G spielt sich Unfassbares ab. Mit Sivaram Naliboyna, Albert Schwank und Patrick Geßner haben wir gleich drei Magier, die jeweils 100% auf ihr Punktekonto zauberten. Dem Fachmann ist klar: Die werden bisher wohl noch nicht gegeneinander gespielt haben. Und eine Runde vor Schluss werden sie das auch nicht mehr, jedenfalls nicht alle drei.

Wir wünschen allen viel Erfolg aber mehr noch: viel Spaß beim Spiel!

 

Und schon wieder endet das Turnier

Links rascheln irgendwelche Plastik-Verpackungen. Rechts erzeugt der Drucker halbwegs lautlos Papierenes. Tür auf. Tür zu. Lasst die Tür doch einfach auf. Nein, dann stehen zu viele Neugierige herum, wir brauchen Platz. Es der ganz normale Wahnsinn im Orga-Büro. Und dabei heißt es, morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Kann man so für morgens um zehn nicht sagen ... Was hier völlig durcheinander klingt, ist aber präzise organisiert. Jede und jeder weiß, was in ihrem / seinem Bereich genau jetzt zu tun ist und macht das eben auch, konzentriert und präzise. Und wenn viele ganz Verschiedenes in strammem Tempo tun und auch noch - herrjeh! - Spaß am Miteinander haben, sieht's eben durcheinander aus.

Unter anderem dafür gibt's jeden (!) Abend nach dem Essen eine Besprechung des Teams, in der man tunlichst den gut vorbereiteten Turnierdirektor Doc Jordan nicht unterbrechen sollte. Und weil das Turnierpersonal immer erst nach Ende der letzten Partie zusammen speisen kann, weil ja vorher ausgelost und ausgedruckt und manchmal im Saal noch etwas "aktualisiert" werden muss, sind das zusammen mit dem Essen hinterher ziemlich lange Abende ... dennoch sind morgens immer alle pünktlich wieder an Bord.

Während ich das hier schreiben kann, wurde in der A-Gruppe schon eine Partie beendet. Nach offenbar anstrengenden fünf Zügen ging eben nichts mehr, weder vor noch zurück - also remis. Fast zugleich kam die wichtige Meldung an die Redaktion, dass ein Spieler sich "Forever Young" Noten neben DSAM auf den Knöchel tätowiert habe ... nunja. Dann aber doch Wichtiges:

Frederik Svane ist der Sieger der A-Gruppe, ach was:

Frederik Svane ist der Deutsche Schach-Amateurmeister 2017/18 (A) !!!

Das stand schon gestern fest, weil der erst 14jährige Sieger von Leipzig 2018 sich bereits nach vier Runden einen faktisch nicht mehr einholbaren Vorsprung herausgespielt hatte. In der Deutschen Jugendeinzel 2014 machte der 2004 geborene Sportler erstmals breitere Kreise auf sich aufmerksam, als er zwar "nur" Vierter wurde - die Setzliste wettete ihn auf Platz 2 -, aber eben doch gute Partien spielte. Die Kinder aus dem damaligen Wettbewerb sind heute recht bekannt, u.a. Vincent Keymer, Antonia Ziegenfuß, Richard Bethke, Vitalia Khamenya, ... der deutsche Nachwuchs ist eben einfach auf der Erfolgsspur! Frederik Svane, Elo aktuell: 2234, Elo max. im Sep-2017 sogar 2283, DWZ aktuell: 2197. Er kommt von der Trave und wenn Dir das nicht sofort etwas sagt, denkst Du an Travemünde. Diese Mündung der Trave in die Ostsee ist der eigentliche Hafen von Lübeck, der Königin der Hanse.

Zu zitieren ist hier unbedingt "Der Bericht". Nix mit CIA oder dergleichen, sondern ein gewisser Ullrich Krause beschrieb, wie es in der Landesmeisterschaft Schlesw.-Holst. 2017 zu Frederiks Sieg kam - wir steigen mitten im Text ein: "Frederiks Stellung verschlechterte sich ... so dass es extrem spannend blieb. Unmittelbar nach der Zeitkontrolle endete Frederiks Partie dann ziemlich unvermittelt Remis. Für mich ging es nicht mehr um den Titel, aber ich spielte natürlich trotzdem weiter. ... Am Ende stand ich dann so aktiv, dass ich ihn sogar noch mattsetzen konnte. Damit war Frederik Svane Landesmeister - herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Erfolg! Ich bin mir ziemlich sicher, dass er der jüngste Titelträger ist, den Schleswig-Holstein jemals hatte." In der Ökonomie laufen solche (dort allerdings bewusst hergestellten) Schubser wohl unter "Anschubfinanzierung". Im Fußball nennt man es "Steilpass". Und wie jedermann weiß: Den muss man erstmal nutzen können! Laaange danach, beim Abschluss dieser aufopfernd kämpfenden Gruppe, erfuhr die Schachwelt nun auch: Deutsche Schach-Amateurmeisterin (A) 2017/19 ist WGM Carmen Voicu-Jagodzinsky! Mit 3,0 Zählern und damit gleicher Punktzahl wie der Achte spielte sie ein schönes Turnier.

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Was war mit der Musik im Studio B? Stau an den B-Brettern? Sehr spät erst kam die Meldung rein: Der Hexer vom Deich, der Buxtehuder Ralf Schöngart, hat es tatsächlich geschafft! Nach einer fabelhaften Saison nun auch das: Deutscher Schach-Amateurmeister (B) 2017/18! Ihm gelangen 4,0 Punkte. Ebenso viele schaffte der Magdeburger Tobias Röhr, so dass die Maschinen schnauften und stampften und dann doch meldeten: Ein sehr ehrenvoller Vizemeister nach Buchholzpunkten ... so ist das im Schach. Beste Dame und damit Deutsche Schach-Amateurmeisterin (B) 2017/18! wurde Sarah Hund - erst die bestandene Schiedsrichterinnen-Prüfung, jetzt der Titel und wir sind erst Mitte des Jahres. Was kommt da noch?

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In der C-Gruppe war es so, dass Frank Zschiesing bisher ALLES gewonnen hatte, damit aber noch immer nicht ganz "durch" war, denn wenn er die letzte Runde verlöre, könnte ihn ja jemand mit bis dato 3,5 Pkt. über- oder mit 3,0 Pkt. einholen. Wir müssen von der traurigen Vermutung ausgehen, dass Serbiens jugendliche WFM Jovana Miljkovic (*1999, in Lingen / Emsland schwer aktiv) mit dem düsteren Gedanken ans Brett getreten war, etwas in dieser Richtung zu veranstalten.

Es fing ganz langsam an, klar, früh morgens ... ein wenig aufregender Engländer, dann plötzlich enthuschte der schwarze König nach f8, aber wohl erst die anschließende Lockerung der Felder rund um Seine Majestät mit 13.-f6? verschlechterte die Stellung ernsthaft. Weiß agierte souverän und planvoll, zog die harmonisch zusammen spielenden Figuren auf bessere Felder (wir flüstern: Karpow! Montréal!) und sperrte die schwarze Stellung wie einen Teig in den Back-Ring ein. Den kann man immer enger ziehen ... auch wenn dann der Kuchen deutlich an Form verliert.

Im 34. Zug fand sich der schwarze König in der Mitte des Brettes wieder, dem die Überraschung darüber in die Staunton-Form geschrieben stand, bedrängt von allem, was noch da war: zwei Springer und ein Turm und einige Bauern, dazu im Hintergrund, aus dem Rahn schießen müsste, der weiße König. Von den Schiedsrichtern abgesehen, interessiert sich jetzt niemand in dieser Gruppe für die auch spannenden Begegnungen Dr. Martin Steinhauser - Timo Schönhof, von Alexander Doll - Robert Schumann und der großartig kämpfenden Cecilia Lange - Thomas Kühne, die bis auf Letzteren alle ja 3,0 Pkt. haben und auch "ganz nah dran an vorne" sind, nein, jetzt will jeder wissen, was an Brett 1 geschieht! Wird Falk Zschiesing sich ins Remis retten können und damit Deutsche Schach-Amateurmeister (C) 2017/18 werden?

Wir applaudierten (natürlich nicht zu laut) der Siegerin der F-Gruppe und hasteten zurück (die drückende Schwüle des gestrigen Tages hatte nachgelassen, Bewegung war also wieder möglich), Tatort Gruppe C, was war mittlerweile bei Jovana Miljkovic geschehen? War ihr etwa der Vorteil entglitten? Wir sehen: Ein leeres Brett! Spielabbruch wegen Regen oder Zuschauer-Ausschreitungen? Irgendwo ein Zettel mit "bin gleich wieder da - Jovana"?  Nichts. Aber das Ergebnis und dank Live-Übertragung auch die Notation liegen vor: WFM Jovana Miljkovic hat gewonnen und ist damit zugleich Deutscher Schach-Amateurmeister (C) 2017/18 und Deutsche Schach-Amateurmeisterin (C) 2017/18! Dem wirklich unglücklich und gerade noch vor dem Ziel abgefangenen Falk Zschiesing, der vier Partien nacheinander teils im großen Stil gewann, gebührt kein Mitleid, denn so ist es eben im Sport (mal verliert man - und mal gewinnt der Andere), sondern Dank für diesen großen Kampf.

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Und in der Gruppe D ereignete sich Außerordentliches! Der Mann aus St.Augustin, Jean-Pierre Fuß, gewann gegen Kevin Haack in sehenswertem Mattangriff nach 1.e4 c5 2.a3 (klar, was sonst?) auch noch seine fünfte Partie und beendete sein Turnier also mit 100%, mit fünf aus fünf und mit dem Titel "Deutscher Schach-Amateurmeister (D) 2017/18"! Das ist einer, der das Turnier voll konzentriert durchspielt und nicht nachlässt. Auch, als schon alles oder doch das Meiste klar war, spielte er auf Sieg! Aus diesem Holz werden Staunton-Figu... äh ... Meister gemacht! Das ist großer Bewunderung wert, anders als so Manches, was einem dann als"professionelles Verhalten" von den Gruselmeistern vorgelebt wird.

Gruppe E: Johann Schwank vom Diogenes in Hamburg überspielte alle! Fünf aus fünf! 100% in einem Finale einer deutschen Meisterschaft! Das ist ja wie bei den Fußballern in der kommenden WM!  Johann ist damit Deutscher Schach-Amateurmeister (E) 2017/18. Das weibliche Pendant ist Victoria Wagner, die mit 4,0 Punkten beste Spielerin dieser Klasse wurde und nun neben ihrer Schwester Margarethe, die ja die Gruppe G aufrollte, ein ebenso schönes Plakat hochhalten darf:  Deutsche Schach-Amateurmeisterin (E) 2017/18. Das wird ein schönes Bild in der "Erfurter / Thüringer Allgemeinen"!

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Gruppe F: Unterdessen hatte ein nettes, blondes Mädchen - das sind die, die immer unterschätzt werden - schon längst alles klar gemacht. An Brett 1 der F-Gruppe willigte Stefan Weinreich ins Remis ein, womit die 12jährige Margaretha Wagner zugleich Deutscher Schach-Amateurmeister (F) 2017/18 und eben auch Deutsche Schach-Amateurmeisterin (F) 2017/18 geworden war! Früher hieß es, "man müsst' noch einmal siebzehn sein...", heute hingegen ist die Sehnsuchtsgrenze schon auf zwölf korrigiert worden.

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Deutscher Schach-Amateurmeister (G) 2017/18 ist Sivaram Nalliboyana vom Schachverein Eichlinghofen! Er erspielte ebenso 4,5 Punkte (tolle 90%!) wie Albert Schwank, Diogenes Hamburg, schichtete aber im Turnierverlauf ein paar Buchhölzer mehr als sein Verfolger auf. Der 13jährige ist (eher selten) in der Solinger Kreisliga am Brett. Beste Dame dieser Gruppe mit 3,0 Punkten und damit Deutsche Schach-Amateurmeisterin (G) 2017/18 ist die erst 10jährige Katerina Bräutigam vom SV Rendsburg, wo eben nicht nur gerudert wird. Die Schleswig-Holzbeiner kamen in dieser Saison richtig gut raus!

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"Und der Rest ist Schweigen." - Keineswegs, Du griesgrämiger Prinz von Dänemark (was macht der denn hier?), vor dem Schweigen und der Abreise kommt nämlich erst noch die "Gala des deutschen Schachs!" Dort werden die Preise und Lobpreisungen überreicht (nicht verliehen, wir wollen sie ja gar nicht wieder zurück haben), die Anzüge und Kleider der Offiziellen und Spieler bewundert und mit Rotwein und Eis bekleckert (geht besonders schlecht wieder raus), das Buffet wird gestürmt & verzehrt, über jene, die schon abgereist sind, wird gelästert (ist bei jeder dieser Gelegenheiten so).

Sieger Deutsche Pokal-Einzelmeisterschaft

Der Pokalchef Thomas Wiedmann wird den Pott denn doch nicht ins heimische Schwabenland mitnehmen können, aber ob Pokalsieger IM Hagen Poetsch (der Mann, der IM Cliff Wichmann mattsetzte) den Pott mitnehmen darf oder ob der - wahrscheinlicher -  sofort wieder die Rückreise in die mit sieben Schlössern gesicherte Fort-Knox-Geschäftsstelle des Deutschen Schachbundes in Berlin antreten muss: Man weiß es nicht

Neben Pokal und den deutschen Amateurmeistern beiderlei Geschlechts der jeweiligen Gruppen gab es noch eine Ehrung und die wurde zu einem intellektuellen und ästhetischen Genuss: Der Historiker Dr. Michael Negele, Beauftragter für Schachgeschichte und Eisbecher des DSB, hielt zunächst einen kenntnisreichen, schwungvollen, detaillierten und auch kurzen Vortrag über Dr. Emanuel Lasker (1868-1941), dessen Geburtstag sich in diesem Jahr zum 150. Mal gejährt häte, was auch real der Fall gewesen wäre, wenn der erste (und bisher letzte) deutsche Schachweltmeister nicht ein so starker Zigarren-Raucher gewesen wäre. Gut, das mit den Zigarren hat Schachfreund Negele nicht gesagt. Hätte er aber können.

Und nun kam es zur Ehrung eines Spielers mit einem bisher im deutschen Schach einzigartigen Preis: Der erstmals ausgelobte Lasker-Schönheitspreis der DSAM 2017/18 wurde Stefan Multhauf (Königsspringer Leverkusen, DWZ 1639, Elo 1623) von der Jury zugesprochen, der in seiner DSAM-Begegnung mit Rainer Mothes, München 2018, im 14. Zug einen klug durchdachten Angriff begann und die gesamte Wendung im 22. Zug mit einem Damenopfer, das gute Angriffstechnik verriet, zum krönenden Abschluss brachte. Eine Ehrende Erwähnung, gleichsam der Zweite Schönheitspreis, verdienten sich Samuel Maar und Martin Werner. Die in der Partie mit Ralf Schöngart, München 2018, gefundene Kombination erforderte große Phantasie und zugleich Rechentiefe von Samuel Maar. Die Mittelspiel-Technik mit ruhiger, präziser Ausweitung des eigenen Vorteils beeindruckte die Jury in Martin Werners "aus einem Guss" Begegnung mit Peter Schmidt, Kassel 2018. Insgesamt sehen wir mit diesen drei Partien eine kleine Leistungsschau der Deutschen Schach-Amateure.

Partien Lasker-Schönheitspreis

Bilder von der Siegerehrung

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